Mit Wehmut denke ich oft an mein gutes altes Nokia E63 zurück. Handlich im Format, mit einer wunderbaren Volltastatur, notfalls mit einem Finger bedienbar. Die Standby Zeit? Sensationell. Auch nach drei Tagen noch nicht mal ein halber Balken weg. Die Telefoniefunktionen waren sehr durchdacht, die Klingeltöne businesstauglich und der Alarmton des Weckers setze mit sanfter Lautstärke ein, um dann immer lauter zu werden, statt einen senkrecht im Bett aufspringen zu lassen.
Warum um alles in der Welt kam ich nur auf die Idee, dieses schöne Handy zu veräußern? Vermutlich getrieben von dem Wahn, dass große Displays besser sein müssen legte ich mir ein HTC Desire mit Android zu, das damals in aller Munde war. Aber schon nach kurzer Zeit fragte ich mich, was daran eigentlich so toll sein soll?
Das erste Problem war, es fühlte sich einfach “nicht richtig” an. Ich will nicht behaupten, dass Nokia mit seinem Symbian eine ausgesprochen aufgeräumte und logisch zu bedienende Oberfläche hatte, aber Android kam mir irgendwie noch komplizierter und undurchsichtiger vor. Zusammengehörige Einstellungen sind über verschiedene Menüpunkte verteilt, während die Optionen, die man gerade im Kontext gebrauchen könnte, nie dort zu finden sind, wo man sie erwartet.
Ein absolutes Paradebeispiel für die Inkompetenz der Androidentwickler ist gerade das Telefonieren. In der Kontaktliste passiert es häufig, dass man beim Scrollen ungewollt einen Kontakt antippt, und was passiert? Das Telefon baut sofort eine Verbindung auf. Das passierte mir so oft, dass ich genervt nach einer App suchte, um das Problem zu lösen. Gesagt, getan. Call Confirm war installiert und tat auch was es sollte. Leider schoss es dabei aber über das Ziel hinaus, denn sobald das Telefon per Bluetooth im Auto eingebucht war, sollte man über die Freisprecheinrichtung natürlich auch ohne Bestätigung wählen können, aber genau das funktionierte dann natürlich auch nicht mehr. Prima.
Klar, die vielen Apps sind toll, aber für mich immer noch lediglich eine Dreingabe zum eigentlichen Zweck meines Handys: Telefonieren, SMS, Kontakte- und Terminverwaltung. Da sind wir auch schon beim Thema: Der Kalender der alten Android Version ist einfach furchtbar. Völlig unübersichtlich, kompliziert zu bedienen und kaum vernünftig zu synchronisieren. Mehrere Google-Kalender? Geht nicht.
Und dann natürlich die verdammte Touch-Tastatur. Wie kann man auf sowas vernünftig tippen? An meinem iPad funktioniert das ja ganz gut, da die Abstände ähnlich zu einer gewöhnlichen PC Tastatur sind. Aber auf dem winzigen Handy muss man mit einem Finger tippen und mangels haptischen Feedbacks drückt man regelmäßig Tasten, die man gar nicht drücken wollte.
Schnell war klar, das Desire muss weg und wieder etwas mit Volltastatur her. Warum denn nicht ein Blackberry? Das Nokia E63 war ja ein Blackberry Clone und hat mir so gut gefallen, dass ein richtiges Blackberry ja nur besser sein kann. Oder?
Weit gefehlt. Nach dem Kauf des Backberry Curve 9300 war ich erst mal etwas irritiert, warum denn da noch die uralte Blackberry OS 5 Version drauf war. Aber kein Problem, die 6.0 war schnell nachinstalliert. Was anschließend sofort auffiel war das Fehlen von Umlauten auf der Tastatur. Beim Nokia E63 gab es die, und ich dachte, das wäre auch anderswo Standard, aber scheinbar nicht. Nun gut, daran würde man sich ja gewöhnen können, oder? Nein, kann man nicht. Denn das Eingeben eines einfachen Umlauts wurde von RIM so kompliziert wie möglich gemacht. Für ein Ü muss man beispielsweise die Shift Taste drücken, dann das u gedrückt halten und mit dem Touchpad währenddessen nach links (oder rechts) scrollen, bis das Ü erscheint. Natürlich ist das nicht einfach das erste in der Liste. Vorher kommen so wichtige Dinge wie Û, Ú oder anderer Kram, den in Deutschland kein Mensch jemals braucht.
Weiterhin sind die Shift und die Alt Taste (letztere braucht man zum Beispiel für die Ziffern) so ungünstig nah zusammen, dass man sie oft verwechselt oder gleichzeitig drückt.
Wie wähle ich denn eine Nummer? Einfach eingeben, oder? Leichter gesagt, als getan. Wer einfach so drauf lostippt, kriegt Buchstaben statt Zahlen, denn die Ziffern sind in der Alt Ebene und offensichtlich sucht man bei RIM eher nach Kontakten als dass man Nummern direkt eingibt. Ok, dann halt Alt gedrückt halten (!) und die Nummer eingeben. Nanu, wie soll ich denn die 7 tippen? Die liegt genau neben der Alt Taste, die ich ja mit meinem linken Daumen gedrückt halten muss… Benutzerfreundlichkeit at its best.
Als ob das noch nicht genug wäre, versaut mir das Blackberry auch noch meine Kalender Experience. Aber nicht offensichtlich, sondern ziemlich hinterlistig. Schon mehrmals ist es mir passiert, dass ich einen Termin in den (mit Google Calendar) synchronisierten Kalender eingetragen hatte, dieser aber plötzlich wieder verschwunden war. Ich glaube, das muss gar nicht weiter diskutiert werden, sowas geht überhaupt nicht für ein Business Gerät.
Die Akku Laufzeit indes war unterirdisch. Kaum länger als das HTC Desire hielt es das Curve ohne Kabel aus. Nach durchschnittlich 1,5 Tagen war Schluss. Und das bei so einem winzigen Display und einem Prozessor, dem meine Kaffeemaschine Konkurrenz machen könnte.
Was nun? iPhone? Nein, mich schränkt das iPad schon genug ein. Wieder Nokia? Symbian ist tot und Windows Phone… naja. Also geben wir Android noch mal eine Chance und schauen mal, ob sich von 2.1 auf 4.0 was geändert hat. Kurzerhand ein Galaxy Nexus bestellt, aber bereits nach 10 Minuten stellten sich die alten Aggressionen wieder ein. Zwar ist der Kalender nun richtig gut geworden, aber alles andere wurde offensichtlich verschlimmbessert.
Der größte Murks ist die Tastatur. Es ist ja mittlerweile Mode, auch noch auf die letzten Hardwaretasten zu verzichten, also hat man diese kurzerhand als Sensortasten unter die Touch Tastatur verbannt. Was passiert nun natürlich? Jedes vierte Mal, wenn ich die Leertaste drücken will, erwische ich die darunter liegende Hauptmenü Sensortaste und lande auf dem Hauptbildschirm.
Das alleine reichte schon, um meine Meinung zu bilden: Touch ist was für Leute, die nicht mit dem Handy arbeiten müssen. Eingepackt, zurückgeschickt.
Liebe Handy Hersteller. Ist es denn wirklich so schwierig, ein Telefon zu bauen, mit dem man wirklich noch telefonieren, SMSen, Emailen und Termine verwalten kann, ohne dass einem tausend Hürden und Spielereien in den Weg gelegt werden? Und bin ich wirklich der einzige Mensch auf der Welt, den Touch Tastaturen so dermaßen zur Weißglut bringen, dass das Handy um seine strukturelle Integrität fürchten muss?
Ein Nokia E7 wäre das ideale Handy für mich. Tolle Verarbeitung, eine Volltastatur plus Touchscreen und wenig Spielereien, die einen vom Wesentlichen ablenken. Aber: Symbian ist ein Auslaufmodell und es ist offensichtlich nach wie vor nicht möglich, mehrere Google Kalender mit dem internen Kalender zu synchronisieren (außer mit Hilfe einer kostenpflichtigen Software, die für günstige 18 Euro zu haben ist…). Leben wir denn noch auf dem Mond, liebe Nokia Entwickler? Wenn ich schon den Anspruch habe, die Bedürfnisse von Business Anwendern abzudecken, dann muss ich das auch bis in letzter Konsequenz durchziehen, und kann nicht vor so an sich einfachen Problemen wie der multiplen Kalendersynchronisation kapitulieren. Aber wahrscheinlich brauchen Businesskunden das auch gar nicht.